“I’ve seen women insist on cleaning everything in the house before they could sit down to write… and you know it’s a funny thing about housecleaning… it never comes to an end. Perfect way to stop a woman. A woman must be careful to not allow over-responsibility (or over-respectabilty) to steal her necessary creative rests, riffs, and raptures. She simply must put her foot down and say no to half of what she believes she “should” be doing. Art is not meant to be created in stolen moments only.”
Clarissa Pinkola Estés, “Women Who Run With the Wolves” (deutsch: “Die Wolfsfrau”)
Ich war mal wieder wütend. Und wie immer, wenn ich wütend bin, bekommt es zuerst mein Partner ab. Danach schaue ich mir die Wut und ihren Ursprung gern genauer an.
Eins vorweg: Bei uns im Haushalt ist mein Partner unter anderem für die Wäsche zuständig. Er ist da auch sehr sorgfältig und ich muss so gut wie nie einspringen. Wenn, dann tue ich das meist nicht, wenn die Wohnung leer ist. Ich habe mir schon vor einiger Zeit vorgenommen, Haushaltsaufgaben ausschließlich mit meinem Kind zu erledigen. Die Zeit, die ich wirklich alleine habe, nutze ich für Arbeit an meiner Vision und an mir selbst.
Heute Vormittag betreute mein Partner unser Kind. Sie wollten einen Ausflug machen. Vorher schaltete er die Waschmaschine ein. Da wir nach ihrem Ausflug nochmal alle zusammen weiter ausfliegen wollten und am Abend für eine Date Night zu zweit verabredet waren, gab es keine Möglichkeit mehr, die Wäsche aufzuhängen. Mein Partner würde aber am darauffolgenden Tag beruflich verreisen und bräuchte einen Teil der Wäsche (natürlich trocken). Deshalb bat er mich (ein wenig zu selbstverständlich, für meinen Geschmack) darum, die Wäsche während der kostbaren vier Stunden, die ich allein hatte, aufzuhängen.
Meine erste Reaktion: angepisst. Mir kam sofort das obige Zitat von Estés in den Sinn. Doch das war nicht immer so.
Es gab eine Zeit (noch gar nicht so lange her), in der war ich immer darauf erpicht, in einer sauberen, aufgeräumten Wohnung zu arbeiten. Bevor ich mich also an meinen Schreibtisch setzte, räumte ich auf, legte Wäsche zusammen und schuf Ordnung. Das Ende vom Lied: immer dasselbe. Ich war frustriert, weil ich wieder nicht geschrieben habe und schob es auf das Patriarchat. Dann wurde ich wütend und ließ es an meinem Partner raus.
Kurzer Einschub: Ich habe mir mit meinem Partner einen Mann an meine Seite geholt, der mich in allem unterstützt, was ich tue und Care- und Hausarbeit nicht als Frauensache sieht. Wir fühlen uns beide gleichermaßen zuständig. Trotzdem mache ich ihm häufig Vorwürfe in Richtung Mental Load, da es (Ja, es schmerzt ein wenig, muss ich zugeben.) auch bei uns nicht 50:50 aufgeteilt ist. Das liegt vor allem daran, dass er fest angestellt ist und ich selbständig. Trotzdem wurmt es mich manchmal, wenn ich mal wieder das Gefühl habe, mehr von dem zu tragen, was uns beide betrifft.
Wie heute. Doch ich konnte eine wichtige Veränderung in mir feststellen, auf die ich stolz war (als die Wut dann verschwand). Früher hätte ich neben dem Aufhängen der Wäsche auch noch Ordnung geschaffen – ich war ja sowieso gerade mit dem Haushalt beschäftigt, also warum dann nicht gleich alles schön machen. Heute habe ich, ganz simpel, einfach nur die Wäsche aufgehängt. Das Nötigste wurde erledigt und ich konnte den Rest der Zeit schreiben. Kreieren. Kunst schaffen.
Ich glaube, das ist es, was Estés meint. Nicht, dass Frauen ihre Wohnungen nicht sauber halten sollen. Sondern dass wir aufhören müssen, jede freie Minute vorsorglich mit Verantwortung vollzustopfen, bevor wir sie uns selbst gönnen dürfen. Kunst entsteht nicht in den Resten des Tages. Sie braucht ihren eigenen Platz – nicht den, der übrig bleibt, wenn alles andere erledigt ist.
Noch eine weitere positive Veränderung: Ich wertete mich nicht für meine Wut ab. Ich sah sie als wichtigen Katalysator für meine Kunst. Denn aus ihr wurde dieser Text. Und ja, die Wut war immer noch da, als ich mich an den Schreibtisch setzte. Aber ich musste sie nicht mehr loswerden, bevor ich schreiben konnte. Ich habe einfach mit ihr geschrieben. Vielleicht ist das die eigentliche Befreiung.
Jetzt bin ich erfüllt, und mein Mann muss morgen nicht nackt zu seinen Terminen erscheinen. Yeah!