In den letzten Wochen hatte ich immer wieder ähnliche Träume.
Bekannte Männer bewunderten meine Arbeit. Manchmal mein Aussehen. Manchmal meine Art zu schreiben. Manchmal einfach mich als Mensch. Ich wachte jedes Mal mit demselben Gefühl auf: beflügelt.
Was mich daran allerdings nicht losließ, war nicht der Traum selbst. Sondern die Frage, warum sich genau diese Anerkennung so bedeutsam anfühlte.
Natürlich freue ich mich über Lob von Frauen. Von Freundinnen. Von Leserinnen. Von Menschen, deren Meinung mir etwas bedeutet. Und trotzdem musste ich mir eingestehen: Die Vorstellung, von einem erfolgreichen Mann gesehen zu werden, löst etwas anderes in mir aus.
Warum eigentlich?
Gerade als Frau, die oft so wütend auf unser System ist, und die sich intensiv mit Gleichberechtigung und den Folgen patriarchaler Strukturen beschäftigt, wollte ich diese Erkenntnis am liebsten sofort wegdiskutieren. Sie wegdrücken. Weit weg von mir. Denn sie passte absolut nicht in mein Selbstbild. Doch ich wollte ehrlich zu mir sein. Ehrlich hinschauen. Und dazu gehört nunmal auch, mir Antworten zu erlauben, die mir zunächst widerstreben.
Also tat ich genau das. Ich ließ diese Erkenntnis, dieses unangenehme Monstrum, in mir wirken. Ich marinierte darin und mir wurde immer wieder ein bisschen übel. Doch irgendwann passierte das, was immer passiert, wenn wir uns einer Wahrheit stellen: Sie wird erträglicher. Langsam. Zäh. Aber nach und nach immer mehr. Dazu gesellte sich Klarheit und eine neue Erkenntnis: Es geht gar nicht um Männer an sich. Es geht um das, wofür sie in unserer Gesellschaft über Jahrhunderte standen.
Autorität.
Status.
Macht.
Die Erlaubnis, Raum einzunehmen.
Genau das lässt sich auch in dem beobachten, was oft abwertend als Pick-Me-Verhalten bezeichnet wird: der Wunsch, „nicht wie die anderen Frauen” zu sein, um von Männern gemocht zu werden. Die Journalistin Alexandra Stanić beschreibt in einem Beitrag in der Juli-Ausgabe der VOGUE, wie viele Frauen ihre Looks und ihr Auftreten unbewusst danach ausrichten, was Männern gefällt – und wie viel Freiheit entsteht, sobald man das erkennt und nach und nach ablegt. Ich glaube, es steckt dieselbe Sehnsucht dahinter, über die ich hier schreibe. Nicht Bosheit. Nicht mangelnde Solidarität mit anderen Frauen. Sondern eine erlernte Strategie, sich Sicherheit zu verdienen, indem man sich für den männlichen Blick lesbar macht.
Vielleicht sehnen wir uns deshalb gar nicht nach männlicher Anerkennung, sondern nach der Sicherheit, die wir unbewusst mit ihr verbinden. Denn viele von uns sind mit der Botschaft aufgewachsen, dass Liebe etwas ist, das man sich verdienen muss. Dass Leistung gesehen wird. Dass Anpassung belohnt wird. Dass wir erst dann einen Platz haben, wenn ihn uns jemand zugesteht.
Ich habe mich gefragt, ob sich darin auch erklärt, warum viele Frauen sich Partner suchen, die emotional zugänglicher oder weicher wirken als die Männer, die sie aus ihrer Kindheit kennen. Wahrscheinlich geht es hierbei gar nicht darum, stärker zu sein. Sondern endlich nicht mehr ausgeliefert.
Kontrolle ist manchmal nichts anderes als der verzweifelte Versuch, Sicherheit herzustellen. Nicht aus Machtgier. Sondern aus Angst. Aus der Angst, wieder den Boden unter den Füßen zu verlieren. Jemandem oder einer Situation (emotional) ausgeliefert zu sein.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass Anerkennung und Kontrolle dieselbe Wurzel haben. Beide sind der Versuch, im Außen etwas zu finden, das wir im Inneren vermissen: Sicherheit.
Doch genau darin liegt die Falle. Denn solange mein Wert davon abhängt, dass jemand anderes ihn bestätigt, bleibt er jederzeit widerrufbar.
Und genau dort sollte unsere Suche beginnen: Wie können wir uns selbst das Gefühl geben, das wir im Außen suchen? Denn dann kann echte Freiheit entstehen. Und versteh mich nicht falsch: Die Lösung ist nicht, keine Anerkennung mehr zu wollen, sondern sich selbst den Platz zuzugestehen, auf den man die ganze Zeit gewartet hat.
Vielleicht ist das der Moment, in dem Lob nicht mehr zur Eintrittskarte wird. Sondern einfach zu einem Geschenk.